Jesus senkt die Preise nicht - Predigt über Lukas 9,57-62


57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. 59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! 61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.


Liebe Geschwister,
Jesus senkt die Preise nicht. Er selbst hat den höchsten Preis bezahlt, um uns loszukaufen - aus der Gewaltherrschaft der Sünde, des Todes und des Teufels. Er hat dafür mit seinem eigenen Leben bezahlt - am Kreuz von Golgatha. Und nun informiert er uns ehrlich, womit wir unsererseits  zu rechnen haben. Wenn wir als Losgekaufte ihm nachfolgen, und er unser Herr und Meister ist. Da gibt es kein Feilschen und Verhandeln. Da verkündet Jesus keine billigen Lockvogelangebote. Sondern ein Leben in seiner Nachfolge - das gibt es nur zum Festpreis. Zu dem Preis, den Jesus in Worten wie hier in unserem Predigttext klar und deutlich benennt. Schauen wir uns diese drei Begegnungen näher an.

1.  Jesus wohnt nicht im Palast

Wir erfahren nur wenig von den drei Männern, die hier eine entscheidende Begegnung mit Jesus haben. Wenn wir davon ausgehen, dass es sich in der Parallelstelle in Matthäus 8 (Matthäus 8,19-22) um die gleiche Begebenheit handelt wie hier, dann ist der erste dieser Männer ein Schriftgelehrter. Im Israel der damaligen Zeit hieß das: Er hatte keine schwere körperliche Arbeit zu verrichten wie etwa die Arbeiter im Weinberg, die Jesus in einem seiner Gleichnisse erwähnt (Matthäus 20:1ff), und er stand nicht in einem solchen Existenzkampf. Er war angesehen in seiner Gesellschaft, ein Mann von Stellung, der einen guten Ruf zu verlieren hatte. Und nun, in der Nachfolge Jesu, erwartet er - dass einfach alles so weiter geht.
Es ist bis heute ein Irrtum, dass ein Leben in der Nachfolge Jesu meinen Alltag grundsätzlich erleichtert, dass meine Probleme abnehmen, und es mir insgesamt so richtig gut geht. Abgesehen natürlich von den üblichen Schlägen des Lebens, die jedermann von Zeit zu Zeit abbekommt, ob er Christ ist oder nicht.
Und so gibt es Verkündiger, die damit werben: Entscheide dich heute für ein Leben als Christ, und du wirst deine Lebensprobleme in den Griff bekommen - sei es in Beruf, Familie oder Partnerschaft. Besonders Enthusiastische versprechen darüber hinaus körperliche Gesundheit oder materiellen Wohlstand - also mehr Geld im Portemonnaie. All das bringt mir Jesus, wenn ich nur meinen Teil des "Deals" erfülle - und mich von ganzem Herzen für seine Nachfolge entscheide. Du hast noch nie diese Art von Predigten gehört oder diese Art von christlichen Büchern gelesen? Dann hast du auch nichts verpasst. Aber vielleicht weiß der eine oder andere von euch auch, wovon ich rede.
Mir geht es dagegen - kurz gefasst - um folgendes Prinzip der Nachfolge: Wenn ein Mensch zum Glauben kommt, und in die Nachfolge seines Herrn tritt. Dann nehmen seine Lebensprobleme nicht automatisch ab. Im Gegenteil: Mancher bekommt noch Probleme dazu, von denen er vorher überhaupt nichts ahnte. "Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege." Während seiner Zeit auf Erden war Jesus kein angesehener, wohlhabender Herr mit großem Gutshof. Sondern er war ein heimatloser Wanderprediger, genau so wie die zwölf Jünger, die mit ihm waren.
In unserem wohlhabenden Land mit gesetzlich garantierter Religionsfreiheit können wir so etwas nur schwer nachvollziehen. Man müsste wohl die christlichen Flüchtlinge aus Syrien und ähnlichen Ländern fragen, die in ihrer Heimat wegen ihres Glaubens verfolgt, beraubt und mit dem Verlust ihres Lebens bedroht werden. Sie wissen, warum man manchmal nicht weiß, wo man in der nächsten Nacht schlafen wird - so wie Jesus selbst, der nichts hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Dem Schriftgelehrten, der hier Jesus nachfolgen möchte. Dem wäre es vielleicht ähnlich ergangen, wenn er plötzlich im Kreis seiner Kollegen bekannt hätte: Dieser Jesus ist tatsächlich der Retter, der Messias, den unsere Propheten verheißen haben. Denken wir daran, was der  schriftgelehrte Apostel Paulus später durchmachen musste.
Aber auch mitten im Wohlstand kann man erfahren, warum Jesus sagt (Matthäus 16:24-25): "Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. 25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden." Auch bei uns kann jemand einsam werden - weil seine Familie seinen Schritt in die Nachfolge Jesu nicht nachvollziehen kann. Sein konsequentes Leben nach der Bibel gilt den Seinen als "extrem", und so rückt man von ihm ab. Leider bleiben in einem so toleranten Land wie unserem bei weitem nicht alle tolerant - wenn es um nicht um irgendwelche Mitbürger geht, sondern um die Einstellungen von Tochter, Sohn, Bruder oder Partner. Und einem anderen frisch gebackenen Christen, bisher immer angesehen und erfolgreich in seinem Beruf. Dem mag auf einmal der Wind ins Gesicht blasen. Weil er bestimmte Anforderungen und Praktiken nicht mehr mitmachen kann. Denn sein christliches Gewissen steht ihm "im Weg". Und der Vorgesetzte bedeutet ihm unverhohlen, dass diese neue Einstellung nicht der Weg zum Erfolg sein wird.
Jesus sagt das nicht, um uns Angst einzujagen oder uns das Leben als Christ madig zu machen. Sondern er ist ehrlich zu uns. Er bereitet uns auf das vor, was auf einen Christen zukommen kann. Denken wir in diesem Zusammenhang an die vielen Worte, mit denen er uns klar macht: Ich lasse meine Jünger nicht hängen. Und sie brauchen sich nicht zu sorgen (Matthäus 6): "31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?  32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all dessen bedürft.  33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen." Diese Worte gelten für alle, die für sich anerkennen: Jesus senkt die Preise nicht. Die können sich auf ihn in allem verlassen.

2.  Blickwechsel

"Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind." Aus verschiedenen Gründen würde ich gern die dritte Begegnung gleich im Anschluss bedenken, und erst dann auf die zweite eingehen. Jesus antwortet hier mit dem bekannten Wort: "Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." Der Sinn dieses praktischen Vergleichs liegt auf der Hand: Damals gab es noch keine Pflügemaschinen, die per Satellitensteuerung gerade Furchen auf dem Acker zogen. Sondern der Bauer musste beim Pflügen immer exakt nach vorne peilen, um für sich und sein Zugtier die Spur zu behalten. Wehe, er schaute während der Arbeit zurück. Dann wurden die Furchen krumm, und sein Werk war verdorben.
Kann ein Christ die Hand an den Pflug legen, und zurück schauen? Ich stelle mir einen vor, der sich  - anders als der Mann aus der ersten Begegnung - durchaus des Grundprinzips bewusst war: Jesus senkt die Preise nicht. Er hat das in Kauf genommen, und ist trotz allem Jesus nachgefolgt. Er hat Jesus vertraut auch in Zeiten, als er wegen seines Glaubens in Schwierigkeiten kam. Er hat erfahren, dass er sich gerade dann auf Jesus verlassen konnte. Und jetzt, im Laufe der Zeit, wird er müde, langsam und zunächst unmerklich. Ihm wird bewusst, dass in der Zeit, als er noch kein Christ war. Dass damals manches in seinem Leben gar nicht so schlecht war. Besonders wenn man es mit heute vergleicht. Seit dem letzten Klassentreffen denkt er daran, wie es anderen aus seinem alten Jahrgang ergangen ist. "12 Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich. 13 Soll es denn umsonst sein, daß ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche? 14 Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da." (aus Psalm 73) Worte wie die des Psalmbeters Asaf gehen ihm durch den Kopf. Und so gerät er in eine schwere Anfechtung, die ihm das Leben als Christ sauer macht: Das christliche Selbstmitleid.
Christliches Selbstmitleid. Ja, ich denke, es gibt eine besondere Art von Selbstmitleid. Ein Selbstmitleid, das so nur ein gläubiger Mensch empfinden kann. Einer, der Jesus nachfolgt. Und meistens einer, der Jesus schon seit vielen Jahren nachfolgt. Der schaut irgendwann in seinem Leben zurück, und er schaut auf die Menschen um sich, und vergleicht. Er überlegt und zieht Bilanz: Was habe ich eigentlich davon gehabt, dass ich mich um ein Leben als ernsthafter Christ bemüht habe? Was habe ich deswegen alles schon für Gelegenheiten verpasst? Im Beruf? Bei Freunden? Bei der Suche nach einem Lebenspartner? Immer mehr fällt ihm ein. Und dann zieht die dunkle Wolke des christlichen Selbstmitleids auf, und bedeckt sein Herz. Und er legt die Hand an den Pflug, und schaut zurück.
Es gibt eine Begebenheit aus China, wie sich sich ähnlich in diesem Land wohl tausendfach zugetragen hat (nach: Hört ein Gleichnis, Nr. 216). Denn in China wurde die christliche Minderheit schon immer misstrauisch beäugt, und auch immer wieder staatlichen Repressalien ausgesetzt (z.B.: https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum_in_China). Ein wohlhabender Chinese hatte nach seinem Übertritt zur christlichen Gemeinde allerlei Verfolgungen von Seiten seiner Großfamilie zu erleiden. Sein einstmals blühendes Geschäft wurde boykottiert, und so war er mehr und mehr verarmt. Als ihn einige seiner nichtchristlichen Freunde besuchten, bedauerten sie ihn: "Früher hattest du einen herrlichen großen Garten, jetzt hast du nur noch ein ärmliches Stückchen Erde und wohnst in einer Hütte." Der Mann ging auf das Bedauern seiner Freunde nicht ein, sondern antwortete lächelnd: "Ja, mein Garten ist klein, auch nicht sehr lang, und nicht sehr breit. Aber " - und dabei wies er mit seiner Hand zum Himmel - "aber er ist sehr hoch." Und vielleicht dachte er dabei an das Wort des Apostels Paulus (Kolosser 3) "1 Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. 2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist."
Und so habe ich auch das beste Heilmittel gegen christliches Selbstmitleid an der Hand. Dann, wenn die Anfechtung kommt, und ich meine Hand an den Pflug lege, und zurückschaue. Dann denke ich daran, welchen Preis Jesus für meine Erlösung bezahlt hat, am Kreuz von Golgatha. Damals, als er mich von Sünde, Tod und Teufel befreit hat. Und wie er mir damit einen Platz im Himmel erkauft hat. Wenn ich als Christ beim Pflügen strikt nach vorne schaue, und geradeaus gehe in der Nachfolge meines Herrn. Dann mache ich mir klar: Egal, wie es mir jetzt ergeht, gut oder schlecht. Das Beste kommt noch. Es liegt vor mir. Und nicht einmal der Tod kann mich davon scheiden. Oder wie der Chinese sagte: Ich habe zwar einen kleinen Garten. Aber er ist sehr, sehr hoch.

3.  Lass die Toten ihre Toten begraben

Ich setze die zweite Begegnung bewusst an den Schluss dieser Auslegung. Und vielleicht ist diese Begegnung die entscheidende, die provozierendste von allen dreien. In ihr beschreibt Jesus den Weg von einem guten Menschen zu einem gläubigen Menschen. Ja, ihr habt richtig gehört: von einem guten Menschen zu einem gläubigen Menschen. Und der Preis, der hier zu entrichten ist - der mag auf den ersten Blick überraschend erscheinen.
Denn so ist der Zusammenhang: Sogar der Drang, immerzu Gutes zu tun. Sogar das kann einem Menschen im Weg stehen, wenn er von Jesus in die Nachfolge gerufen wird. "Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe." Wir müssen diese Aussage nicht notwendig so verstehen, dass hier für den nächsten Tag ein Beerdigungstermin angesetzt war. Und dass Jesus nun dem Sohn untersagt, seinen Vater in aller Würde zu bestatten. Man kann den Wunsch dieses Mannes dagegen auf das vierte Gebot beziehen: Du sollst Vater und Mutter ehren. D.h. der Mann hatte einen alten Vater, für den er zu sorgen hatte. Nach menschlichem Ermessen hatte dieser nicht mehr lange zu leben. Und der Mann sagt Jesus: Lass mich wenigstens so lange bei meinem Vater, wie er noch lebt. Lass mich dieses gute Werk noch an ihm tun. Später, wenn ich ihn begraben habe, dann ist die Pflicht des Sohnes erledigt. Dann will ich dir nachfolgen.
Verlangt Jesus hier zu viel? Setzt sich Jesus hier gar in Gegensatz zum vierten Gebot? Und stellt er  den Mann vor die Alternative: Was schätzt du höher ein? Mich, Jesus, oder das geschriebene Wort Gottes? Mit Sicherheit will Jesus nicht darauf hinaus. Sagt er doch seinen Jüngern in der Bergpredigt (Matthäus 5): "17 Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.  18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht."
Es muss also etwas anderes dahinter stecken. Betrachten wir die zweite Begegnung etwas genauer: Bei den anderen Männern geht die Initiative von ihnen aus: Ich will dir folgen, Jesus. Hier ruft Jesus von sich aus: Folge mir nach. Und er sagt nach seinen Erklärungen als letzten Satz: Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes. Die Verkündigung des Evangeliums, vor allem die Verkündigung im vollzeitlichen Dienst: Das ist in der Tat ein spezieller Ruf, der nicht für jeden Christen gilt. In unserer Kirche besiegeln wir diesen Ruf mit der Ordination zum geistlichen Amt. Und dieser Ruf hat natürlich auch Konsequenzen für das Familienleben, die so nicht alle Christen zu tragen haben.
Können wir diese zweite Begegnung also auf einen "Spezialfall des Christenlebens" beziehen, und sind die Herausforderung damit los? Ich denke, dass diese zweite Begegnung auch für diejenigen Christen etwas zu bedeuten hat, die nicht diesen besonderen Ruf in die Verkündigung haben. Das wird schon deutlich aus der Parallelstelle in Matthäus 8: Hier fehlt der Satz mit dem Ruf in die Verkündigung. Und doch sagt Jesus auch dort: "Folge du mir, und laß die Toten ihre Toten begraben!"
Dieser Satz ist offenbar der Punkt, auf den Jesus hinaus will. Er passt zu einer Art der Seelsorge, die Jesus auch an anderen Stellen anwendet: Auf den ersten Blick befremdlich, provozierend, aber immer mit einem bestimmten Ziel im Blick. Auch bei anderen Begegnungen treibt Jesus seine Verkündigung bewusst auf die Spitze, um einen geistlichen Zusammenhang aufzudecken. Denken wir an den reichen Jüngling, dem er sagt (Matthäus 19:21): "Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!" Das sagt Jesus nicht, um ihm und allen Christen ein Leben in Armut nahezulegen. Sondern er provoziert mit diesem Satz das Denken des jungen Mannes, um dessen Selbstgerechtigkeit aufzudecken. Hatte der doch allen Ernstes behauptet: Geistlich gesehen habe ich alles, was ich brauche. Denn ich habe immer alle Gebote Gottes gehalten.
So auch hier: Hätte der Mann in unserem Text tatsächlich auf den Ruf Jesu gehört, dann hätte Jesus schon dafür gesorgt, dass sich jemand um den alten Vater kümmert. Denken wir an die Verheißung "Sorget nicht!" aus der Bergpredigt, die ich oben schon erwähnt habe. Doch Jesus geht es vielmehr darum, eine Haltung bei diesem Mann aufzudecken. Dieser benutzt die moralischen Guttaten an seinem Vater als Ausrede - als Ausrede, um dem Ruf Jesu auszuweichen: Ich muss so viel Gutes tun, dass der persönliche Anruf Jesu mir ganz und gar ungelegen kommt. Warum ruft er mich auch? Ich will doch nur meine Pflichten erledigen. Ich bin ein guter Mensch. Ich brauche ich keinen Herrn und Retter.
"Lass die Toten ihre Toten begraben". Ich habe in meinem Dienst so manche Beerdigung  abgehalten. Aber glaubt mir: Bei allen waren die Sargträger und die Totengräber immer quicklebendig... "Lass die Toten ihre Toten begraben". Dieser Satz macht dann Sinn, wenn Jesus hier nicht von absurden Beerdigungen spricht. Sondern von geistlich toten Menschen. Denen das wahre, geistliche Leben fehlt. Das Leben aus dem Geist Gottes, das nur Jesus schenken kann.
In der Begegnung mit dem Pharisäer Nikodemus macht Jesus klar, dass nicht höchste moralische Standards den Weg zum Himmel weisen. Dass nicht der erlöst wird, der immer strebend sich bemüht. Und dass es viele gute Menschen gibt, die geistlich tot sind: "Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." (Johannes 3:3)
So ein guter Mensch hat in der Begegnung mit Jesus in der Tat einen hohen, ja vielleicht den höchsten Preis zu zahlen: Er muss sich von seiner Selbstgerechtigkeit trennen. Ob er nun einen kranken Angehörigen pflegt, bis zur Selbstaufgabe. Ob er ein Muster an Berufspflicht darstellt. Oder was auch immer. Wenn Jesus ihn ruft, dann zählt das alles nicht. "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin", so lautet ein cooler Spruch. Leider liegt dieser Spruch völlig falsch. Deshalb werden die guten Mädchen - ebenso wie die bösen - an der Himmelspforte feststellen: Für mich leider verschlossen. Es sei denn - es sei denn, sie haben sich von Jesus rufen lassen und sind ihm gefolgt. Deshalb wäre die richtige Antwort des zweiten Mannes an Jesus nicht gewesen: Lass mich zuerst meinen Vater begraben. Lass mich zuerst ein Leben als guter Mensch führen. Sondern die richtige Antwort wäre gewesen: Herr, sei mir Sünder gnädig. Ich bin es nicht wert, dass du mich in deine Nachfolge rufst. Aber ich will darauf vertrauen, dass du mein Erlöser bist.
Dieser Ruf Jesu gilt bis heute: Lass die geistlich Toten ihre Toten begraben und sich selbst um ihr moralisch vorbildliches Leben kümmern. Du aber komm zu Jesus. Und werde von einem guten Menschen zu einem gläubigen Menschen. Wenn du heute diesen Ruf Jesu hörst, und du merkst: Ich bin gemeint. Wie wirst du reagieren? Bist du bereit, auch diesen Preis zu zahlen? Und dich von aller Selbstgerechtigkeit zu trennen?

Ja, es ist wahr: Jesus senkt die Preise nicht. Er macht keine Lockvogelangebote. Aber er ist es wert. Denn er selbst hat den höchsten Preis für mich gezahlt: Sein Leben. Deshalb wollen wir seinem Ruf folgen. Und die Toten ihre Toten begraben lassen. Amen.

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