Gott, sei mir Sünder gnädig! - Predigt über Psalm 51,1-14

1 EIN PSALM DAVIDS, VORZUSINGEN,
2 ALS DER PROPHET NATHAN ZU IHM KAM, NACHDEM ER ZU BATSEBA EINGEGANGEN WAR.
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.
4 Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde;
5 denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.
6 An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest.
7 Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.
8 Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.
9 Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich schneeweiß werde.
10 Laß mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.
11 Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden, und tilge alle meine Missetat.
12 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
14 Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Liebe Geschwister,
"Gott, sei mir Sünder gnädig!" - das ist das Wichtigste aller Gebete. So ist der Psalm in meiner Lutherbibel überschrieben. "Gott, sei mir Sünder gnädig." Ja, mit diesem Gebet hat man den Psalm auf den Punkt gebracht. Dieses Gebet so wichtig, dass unser Herr es in jedem Fall erhört. Es ist so wichtig, dass es die Grundlage jeder Beziehung zu Gott ist. Ja, man muss sogar sagen: Mit diesem Gebet werde ich Christ. Und mit diesem Gebet bleibe ich Christ. Durch die ganze Bibel zieht sich dieser Ruf. "Herr erbarme dich!", so rufen Menschen, die zu Jesus kommen. "Vergib uns unsere Schuld", so lehrt Jesus seine Jünger beten im Vaterunser.
Ich will dieses Gebet - "Gott, sei mir Sünder gnädig" - in drei Punkten erklären.

1.  Dieses Gebet ist eine bedingungslose Kapitulation vor unserem Herrn

König David war schon lange ein gläubiger Mensch gewesen, und jetzt das. Eine Geschichte, wie sich sich in einer der Seifenopern abspielen könnte, die regelmäßig im Fernsehen laufen. Wo wir von der Welt der Reichen und Schönen erfahren.  Zuerst wird Bathseba von ihm schwanger, eine verheiratete Frau. Weil der große König wohl sein Reich beherrschen konnte - aber sich selbst konnte er nicht beherrschen. Es war einfach auszurechnen, dass das Kind nicht von Bathsebas eigenem Mann sein konnte - denn der kämpfte im Krieg und war schon seit Monaten nicht mehr zu Hause gewesen. Als es droht, dass alles herauskommt. Da plant David einen gut getarnten Auftragsmord: Und Uria, der Ehemann Bathsebas, wird aus dem Weg geräumt. (Näheres ist nachzulesen in 2. Samuel 11)
Kaum zu fassen, wie er das anschließend wohl ein ganzes Jahr lang mit sich herumtragen konnte. Die Freude ist aus seinem Leben gewichen. Bis ins Körperliche hinein fühlt er seine Schuld: Gott hat seine "Gebeine zerschlagen". Gott selbst - er hat ihm keine Ruhe gelassen. Und jetzt muss er sagen: Meine Sünde ist immer vor mir. Sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ob ich solche Erfahrungen auch kenne? Vielleicht nicht wegen "grober" Sünden - wie Mord und Ehebruch. Sondern wegen so genannter "kleiner" Sünden, die vielleicht nur Gott und ich kennen? Meine Sünde ist immer vor mir? Sagt mir das etwas?
David wendet sich an den, der seine "Gebeine zerschlagen" hat: "Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte..." Und er beginnt mit seiner bedingungslosen Kapitulation, indem er sein Problem beim Namen nennt: Tilge meine Sünden. Meine - Sünden. Dieses wichtigste aller Gebete - "Gott, sei mir Sünder gnädig". Es beginnt damit, dass ich aufhöre, meine Schuld zu erklären und zu rechtfertigen.
Ein Psychologe würde heute - wenn David mit seinen Untaten vor einem deutschen Gericht stünde - er würde vielleicht einige gute Erklärungen finden. Davids hohe seelische Belastung - als Staatschef eines Landes im Krieg. Frühkindliche Prägungen. Vielleicht hat Bathseba ihn sogar gereizt, wer weiß? Schließlich ist er auch nur ein Mann. Und der Auftrag, Uria umbringen zu lassen: der war kurzschlüssig, aus seiner Angst erklärbar. "Im Affekt", würden wir sagen. Alles in allem - wenigstens "verminderte Schuldfähigkeit". Der arme David - ein Opfer der Umstände und seines Seelenlebens.
Vor einem menschlichen Gericht würde man damit vielleicht noch durchkommen. David weiß: Vor Gott zählt das alles nichts. Sondern hier müssen die Dinge beim Namen genannt werden. Und so erklärt er nicht herum, sondern er kapituliert bedingungslos - vor Gott. Ihm sagt er, was er getan hat: Sünden. Ohne Ausflüchte. Damit gibt er dem Urteil Gottes Recht, und er gibt zu: Du, Herr, du hast recht. Wenn du sagst: Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht töten. Dann will ich dir nicht ausweichen. "auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst wenn du richtest."
Nehmen wir das als eine erste Frage mit: Wo bekenne ich meine Schuld? Und zwar  Gott? Und wo möchte ich lieber Erklärungen suchen? Mich selbst rechtfertigen? Es ist vielleicht keine Frage, auf die ich sofort eine Antwort geben kann. Eher eine Frage für stille Stunden, wenn ich Ruhe habe und mit meinem Herrn allein bin.

2.  Dieses Gebet gibt mir eine vertiefte Erkenntnis über meine Sünde - und begründet so meine Beziehung zu Gott

Indem David in seinem Gebet vor Gott kapituliert. Erkennt er desto tiefer, worin seine Sünde eigentlich besteht. Und er sagt auch das seinem Herrn.
Stellen wir noch einmal eine kurze "kriminalistische" Untersuchung an, über den "Fall David". Wer war eigentlich das Opfer seiner Sünden? Natürlich zuerst Bathseba, die er in Schande gebracht hat. Und ihr Mann Uria, den er umbringen ließ. Auch das königliche Amt - dessen Autorität in Zweifel gezogen wurde. Wer vertraut einem König, für den scheinbar Recht und Gesetz nicht gelten? Und nicht zuletzt er selbst - der alle Freude in seinem Leben verloren hatte. Ja, meistens ist es so: wenn ich sündige, werden Menschen darunter leiden, Beziehungen geschädigt oder sogar zerbrechen. Und schließlich wird mein eigenes Leben durcheinander kommen.
Und doch ist das nicht das Eigentliche. So sehr meine Sünde andere und mich selbst belastet: Das eigentliche Opfer meiner Sünden ist - Gott. Ja - Gott ist das Opfer meiner Sünden. Ihn verletze ich damit. Und jede meiner Sünden ist gleichsam ein gezielter Stich, ein Stich mitten in das Herz Gottes. Meines Schöpfers, der mir mein Leben gegeben hat, und der jeden Tag für mich sorgt. Meine Beziehung zu ihm wird zerstört. Und sein Sohn war es, den meine Sünde ans Kreuz gebracht hat. "Der HERR warf unser aller Sünde auf ihn." (Jesaja 53:6) So beschreibt es der Prophet Jesaja. Obwohl David lange vor Christus und seinem Gang ans Kreuz gelebt hat, ahnt er etwas von der Tiefe seiner Sünde. Deshalb betet er auch: "An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan." Dieses wichtigste aller Gebete - es ist vor allem dafür da, damit meine Beziehung zu Gott wiederhergestellt wird. Damit meine Beziehung zu Gott Bestand hat - trotz meiner vielen Sünden, die ich täglich begehe. Gott, sei mir Sünder gnädig. Dieses Gebet steht vor allen Versuchen, meine Sünde auch an den Menschen wiedergutzumachen. Die auch ein Opfer meiner Sünden waren. Ja, auch das ist wichtig! Aber zuerst wird die Beziehung zu Gott erneuert: Gott, sei mir Sünder gnädig. An dir allein habe ich gesündigt.
Nachdem David das zugegeben hat, betet er einen weiteren, höchst bemerkenswerten Satz: "Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen." Was ist nun das? Es soll sicher nicht heißen: Davids Mutter war eine höchst liederliche Person. Und David hat eine fragwürdige Herkunft. Nein! Das ist nun wirklich nicht gemeint. David spricht hier aus eigener Erfahrung ein tiefes Geheimnis an, das alle Menschen gemeinsam haben. Ein Geheimnis, das so tief vielleicht erst wieder vom Apostel Paulus erklärt wurde. (z.B. Römer 3:9-20)
Die christliche Kirche hat dieses Geheimnis von Alters her die "Erbsünde" genannt. Als ob sich auf geheimnisvolle Weise die Sünde fortgepflanzt hat.  Als ob die Sünde irgendwo im menschlichen Erbgut mit "drinsteckt", und von Generation zu Generation weitergegeben wird. Da könnte man natürlich lange darüber spekulieren und philosophieren. David tut das nicht. Sondern er drückt eine persönliche Erfahrung aus, die schon so mancher mit seinen Sünden gemacht hat. Ich tue nämlich nicht nur Sünden. Ach, wenn das alles wäre... Nein - ich habe keinen verborgenen "guten Kern", sondern bin ein Sünder. Durch und durch.
Eigentlich ist das so ähnlich wie bei dem sprichwörtlichen Eisberg. Da ist auch das meiste unter Wasser. Und nur die Spitze, ein Siebtel des Ganzen. Die ragt aus dem Wasser und ist sichtbar. Meine ganz persönliche Vermutung - ohne "theologische Garantie" - ist sogar: Ich bezweifle, dass wir auch nur ein Siebtel unserer Sünde kennen. Ich glaube, es ist viel, viel weniger. In Wirklichkeit sitzen wir doch mit David "alle in einem Boot". Mord und Ehebruch - das ist wirklich keine Kleinigkeit, wie jedermann erkennen kann. Aber etwas ganz anderes ist es, wenn wir hin und wieder einen kleinen Einblick gewinnen in die eigenen Abgründe. Diese Abgründe von Schmutz und Dunkelheit, die in mir selbst stecken. Auch dann, wenn ich schon lange Christ bin!
Diese tiefe Entdeckung. Sie gehörte zu den Haupterkenntnissen der Reformation, zu den Grundtatsachen des evangelischen Glaubens. Heute dagegen, so scheint es, haben die evangelischen Kirchen Schwierigkeiten damit bekommen. "Seit Adams Fall ist ganz verderbt menschlich Natur und Wesen". So heißt es noch in einem alten Kirchenlied (altes EKG Nr. 243). Vielleicht kennen es einige. Johann Sebastian Bach hatte seinerzeit dazu ein Choralvorspiel für die Orgel geschrieben (BWV 637). Im neuen Gesangbuch der lutherischen Kirche erscheint das Lied nicht mehr. Noch deutlicher machen es die Herausgeber unseres eigenen neuen Gesangbuchs: Im Anhang, bei den Wechselpsalmen für die Gemeinde. Dort erscheint zwar der 51. Psalm. Aber dieser Vers: "Siehe, ich bin als Sünder geboren..." Er wird von den Herausgebern einfach weggelassen (Gesangbuch der EmK Nr. 697), und wir bekommen nur die "zensierte Fassung" zu lesen.
Man möchte fragen: Sind wir tatsächlich - im Fortschritt der Zeit - darüber hinweg? Sind wir Evangelischen endlich bessere Menschen geworden. Und haben nun endgültig unsere Erbsünde überwunden? Muss diese scheinbar düstere Lehre heute kein Thema mehr sein? Ach - wenn  es nur einige moralische Verfehlungen wären, die mich belasteten. Die könnte ich noch mit Tatkraft und Disziplin bekämpfen. "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen." So drückt Goethe diese Hoffnung aus, im zweiten Teil seines "Faust" (Faust II, 5. Akt, ab Vers 11936). Ja - wenn das alles wäre, was man von außen sehen kann. Aber dieser dunkle Teil von mir. Unter der Oberfläche. Da hilft nur eines: Gott, sei mir Sünder gnädig. Da kann nur einer helfen: Unser Herr, der auch diesen Abgrund der Sünde auf sich genommen hat, und ans Kreuz getragen hat. Siehe, ich bin als Sünder geboren und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Vielleicht ahnen wir hier, warum Jesus seinen Christen diese Bitte ins Vaterunser geschrieben hat: "Und vergib uns unsere Schuld". Wir brauchen dieses Gebet. Wirklich täglich. Damit unsere Beziehung zu Gott bestehen kann. Wir brauchen es. Nicht nur solche, die noch gar nicht den Weg zu Gott gefunden haben. Sondern auch und gerade wir als Christen.

3.  Dieses Gebet bittet nicht nur um Vergebung - sondern auch um Heilsgewissheit

"Tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit". Von Anfang an erwartet David alles von seinem Herrn und von seiner Barmherzigkeit. Im Originaltext steht ein ganz starkes Bild dahinter. Denn für den Hebräer spielt dieses Wort auf die Eingeweide des Menschen an, auf die innersten Organe. Dort - so stellte man sich vor - sitzt bei einem Menschen das Mitgefühl. Die Barmherzigkeit. So ist es tatsächlich: Wenn ein Sünder Gott um Gnade bittet, dann wird unser Herr zutiefst bewegt, in seinem Innersten. Wir würden vielleicht heute sagen: Das rührt sein Herz an. So etwas kann ihn einfach nicht kalt lassen. Jesus sagt, sogar die Engel ih Himmel freuen sich mit, wenn ein Sünder umkehrt. (Lukas 15:7) So ist er, unser Herr. Im Innersten bewegt. Voller Barmherzigkeit.
Von diesem barmherzigen Herr erwartet David nicht nur die vollständige Vergebung seiner Sünden: Reinige mich. Tilge meine Sünden. Auch die Abgründe in mir, die "Erbsünde". "Wasche mich, dass ich schneeweiß werde." Nein, David erbittet noch mehr: "Gib mir einen neuen, beständigen Geist." "Erfreue mich mit deiner Hilfe." "Laß mich hören Freude und Wonne."
Unsere Glaubensväter nannten diese Erfahrung Heilsgewissheit und Heilsfreude. In der Tat - das gehört zu einem erfüllten, tatkräftigen Glaubensleben dazu. Wenn mein Herr mir vergeben hat - dann gehört dazu auch eine tiefe, innere Gewissheit. dass er mich angenommen hat - "brutto", alle meine Abgründe eingeschlossen. Da kommt Freude auf. Keine laute, oberflächliche Freude, die den Ernst der Sache einfach übertönt. Sondern eine tiefe, begründete Freude. "Gib mir einen neuen, beständigen Geist." Warum betone ich das so? Weil es immer wieder Christen gibt - ich meine, wirklich gläubige Menschen, die es ernst meinen! Weil es immer wieder Christen gibt, die nicht zu dieser tiefen, froh machenden Gewissheit durchbrechen. Wo ich mich vielleicht schon - wenn auch  betrübt - damit abgefunden habe. Und mir sage: So genau kann man es eben nicht wissen, ob Christus mich wirklich angenommen hat. Ob er mich wirklich liebt. Ob er mir wirklich alles vergeben hat. Auch meine "Lieblingssünden", die mich jeden Tag plagen. Auch die dunklen Abgründe in mir. Ich bin unsicher. Aber ich will mich weiter bemühen, ein guter Christ zu sein.
Früher, als man in Glaubensdingen noch etwas direkter und unverblümter sprach. Da wurde einmal  junger Mann von einem älteren Christen gefragt: "Haben Sie einen lebendigen Heiland?" Und der antwortete etwas verlegen: "Ich hoffe doch." Da meinte der ältere: "Denken Sie einmal, Sie wären verlobt, und ich würde Sie fragen, ob Sie eine Braut haben; würden Sie dann antworten: Ich hoffe doch?" Sie sprachen noch weiter, und am Schluss kam der junge Mann in tiefes Nachdenken und sagte sich: Entweder, der Alte ist etwas verrückt, oder es gibt etwas, wovon ich noch nichts geahnt hast.
Wenn Gott mich als sein Kind angenommen hat - "brutto", ohne Abstriche. Dann darf ich das auch tief im Innersten wissen. Vielleicht hilft uns dazu ein Vers des Psalms weiter, der auf Anhieb gar nicht so leicht verständlich ist (und der, nebenbei bemerkt, in unserem Gesangbuch ebenfalls "zensiert" wurde): "Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde." Ein Jude zur Zeit Davids konnte diesen Vers - anders als vielleicht wir - sehr gut einordnen. Erinnerte er sich doch dabei an den Auszug aus Ägypten, und die Nacht, als der Herr die Häuser in Ägypten heimsuchte und alle Erstgeborenen tötete. Die Israeliten sollten vorher ein Passalamm schlachten. Dann sollten sie einen Ysopzweig nehmen, ihn in das Blut des geschlachteten Lammes tauchen, und damit die Oberschwelle und die beiden Pfosten an ihren Türen bestreichen. (2. Mose 12:22)  So wurden sie vor dem Zorn Gottes geschützt. Anders als beim Pharao und seinen Ägyptern blieben ihre Erstgeborenen am Leben. Später gab es in Israel Opfervorschriften, die eng mit der Reinigung vor Gott und der Vergebung der Sünden zusammenhingen: Der Priester tauchte einen Ysopzweig in das Blut des Opfertieres, und besprengte den, der gereinigt werden sollte. (3. Mose 14) Sollen wir also solche Riten und Gebräuche nachmachen? Natürlich nicht. Aber die Reinigung mit dem blutgetränkten Ysopzweig - sie soll uns erinnern an das Blut Christi, das er am Kreuz für uns vergossen hat: "Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit." (1. Johannes 1:9).
Die Vergebung unserer Sünden hat eine gute Grundlage: Gottes Sohn, der sein Blut für uns vergossen hat. Deshalb können wir mit David nicht nur beten: Tilge meine Sünden. Sondern auch: Gib mir einen neuen, beständigen Geist. Einen Geist, der beständig in Gewissheit lebt. In Heilsgewissheit. Nicht, dass ein Christ nie in Glaubenszweifel kommen würde - nein! Aber eine Ungewissheit als Grundstimmung meines Christenlebens. Als Dauerzustand. Das ist ganz und gar nicht Gottes Plan.
Nein, wenn ich bete: Gott, sei mir Sünder gnädig. Dann soll ich wissen: Heilsgewissheit gehört mit dazu. Zu Gottes Gnade an uns Sündern. Das darf ich wissen, darum soll ich bitten. Im Geheimen, in meinem Inneren tust du mir Weisheit kund. In mir kannst du wirken, mich erneuern. Gib mir einen neuen, beständigen Geist. Und Gott wird antworten. Und ich werde erfahren, wie ich sofort - oder nach und nach - zu einer echten Gewissheit komme. Dieses Gebet erhört Gott garantiert. Er hat es bei David erhört. Und er wird es bei mir erhören. Das gehört mit zu seiner Barmherzigkeit.
So lasst es uns beten, dieses wichtigste aller Gebete. Tag für Tag. Wir wollen aufrichtig sein vor unserem Herrn mit unserer Sünde. Mit dem, was wir getan haben. Aber auch mit der Erbsünde. Mit  den Abgründen, die in uns sind. Wir wollen seine Barmherzigkeit erfahren. Seine Vergebung - und darüber hinaus eine tiefe Gewissheit und Freude. Gott, sei mir Sünder gnädig. Amen.

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